Für den Reichtum Ägyptens waren die Priester
ein Luxus und ein Zeichen. Diese Stellvertreter des Pharaos, die im Staat die
zweite Macht sind (der Pharao ist die oberste Person im Reich), lieferten
das Modell für die Priesterschaft über Tausende von Jahren hinweg. Da die
Priester nur als Repräsentanten des Pharao auftraten, mussten sie keine tiefen
religiösen Überzeugungen haben. Ihre Pflicht war es, eine Aufgabe zu erfüllen,
die richtigen Opfer auf den Altar zu legen, die passenden Gebete in der
vorgeschriebenen Weise zu sprechen, den Gott mit Ehrerbietung zu behandeln und
ihn zufrieden zu stellen, so dass der Gott Ägypten mit Reichtum segnete.
Priester mussten sich nicht dem Gott, dem sie dienten, weihen. Das Amt eines
Hohepriesters im Tempel war für gewöhnlich nicht erblich, wie es in anderen
Berufen üblich war. Da Priesterschaft recht
zahlreich war, gab es viele Gelegenheiten für einen tüchtigen und ehrgeizigen
Mann, ganz nach oben zu kommen. Der Hohepriester eines Tempels hatte die
Kontrolle über die zum Tempel gehörigen Felder, Obstgärten und das Vieh - dies
war eine Position, die zu großem persönlichen Reichtum und Einfluss führte. Dazu
kamen Grundstücke, Diener, Geschenke, Bestechungsgelder (die gab es auch früher
schon, nicht nur in heutiger Zeit), Kleidung und Ehrenzeichen des hohen Amtes.
Unter dem Hohepriester standen der 2. und der 3. Prophet des Gottes, darunter
folgten zahllose Ränge und Stufen. Viele von den Priestern betraten nie das
Innerste des Heiligtums. Einige von ihnen beaufsichtigten die Werkstätten,
andere verwalteten die Getreidespeicher und Schlachthäuser, die für die
Opfergaben gebraucht wurden. Um sauber und rein zu sein, wuschen sie sich
zweimal am Tage und zweimal des Nachts und rasierten sich den Kopf und Körper.
In der Hierarchie der Priester konnte man durch Verdienst aufsteigen. Oft
erklommen Schreiber hohe Ämter. Jeder Tempel hatte seine eigene Gliederung, jede
Gruppe hatte ihre besonderen Pflichten und ihre besonderen Privilegien.
Schreiber im Tempel registrierten sorgfältig die Geschenke des Pharaos, die
Erträge der Wirtschaft und führten genau Buch über den Inhalt der Lagerräume
(Korn, Wein, Leinen, Gold). Für den Vorlesepriester fertigten sie auf
Papyrusrollen Abschriften der heiligen Gebete an - diese mussten deutlich zu
lesen sein. Andere ordneten die Manuskripte, damit die Rollen leicht aufzufinden
waren (heutige Archivare). Neben religiösen Texten gab es im Tempel auch
medizinische Texte für die Priesterärzte und Manuskripte mit Traumdeutungen.
Bestimmte Priester kümmerten sich um die Statuen der Götter. Sie befolgten
genaue Regeln, um die Gunst des Gotte zu erhalten. Jeden Tag betraten sie zur
festgesetzten Zeit das Allerheiligste, nahmen die Statue aus ihrem Schrein und
vollzogen das Morgenritual. Der "Gott" wurde mit wohlriechenden Ölen gesalbt und
mit Weihrauch gütig gestimmt, es wurden ausgewählte Speisen vorgesetzt, dann
wurde er in reines weißes Linnen gehüllt und in den Schrein zurückgestellt.
Danach wurden die Türen geschlossen und verriegelt. Der Priester verließ,
rückwärts gehend und den Weg reinigend, Gebete und Beschwörungsformeln
sprechend, Raum.
Die Tempel waren im alten Ägypten eine Art Universität für Astronomie, Mathematik, Medizin, Musik, Kunst usw. Hohepriester hatten die Stellung eines Magiers inne, waren die mächtigsten Männer im Reich und stets beim Pharao "zu Gast". Sie verfügten über wissenschaftliche Kenntnisse, die sonst kein anderer Mensch besaß. Sie waren eine eingeschworene Kaste (Gemeinschaft), die ihr Wissen mit niemanden teilte. Ihre naturwissenschaftlichen und medizinischen Kenntnisse wurden auf Papyrusrollen festgehalten und bei Bedarf wurden diese als Hilfe genutzt. Die Priester beherrschten ebenso die astronomische Geometrie, die bei Bauanlagen genutzt wurde.
Die Tiere im alten Ägypten waren mehr als heilig. Der Falke wurde als Gott HORUS oder OSIRIS dargestellt, der Ibis als Thot, die Katze als BASTET, die Kuh als HATHOR und auch das Krokodil hatte einen Götternamen - SOBEK. Einigen Göttern wurden auch mehrer Tiere zugeschrieben. SELKET wurde oft bei Sprüchen gegen giftige Bisse hinzu gezogen, die sowohl von Skorpionen, von Schlangen oder auch von Löwinnen in Verbindung gebracht wurden. Dagegen wurde der APIS nur mit einem bestimmten Tier in Bezug gebracht als mit einer Tiergruppe. Die Widder stellten in früheren Zeiten einen göttliches und königliches Symbol für eine bestimmte Götterart dar - er verband die Götter Re und Osiris auf seine Weise.
Die Hohepriester hatten eine besondere Machtstellung in Theben. Ihnen gehörte das meiste Tempel-Land in Ägypten und nahezu alle Schiffe. Als militärischer Anführer verteidigten die Hohepriester des Amun ihre Interessen. Sie bauten eine Reihe von Festungen nördlich von Theben. Ihre Entscheidungen entnahmen sie angeblich durch das Orakel und verwendeten diese so genannten "Weissagungen", um ihre Handlungen offiziell zu machen. Die thebanischen Priester übten nicht nur ihre Macht rund um Theben aus sondern hielten gleichfalls Kontakt mit den Pharaonen in ihren Hauptstädten. Die meisten Prinzessinnen hatten oft das Amt der "Gottesgemahlin des Amun" inne.
Göttinnen und Götter
Alle Bereiche des ägyptischen Lebens waren in irgendeiner Weise mit der Religion verbunden. Es gab verschiedene Götter, die das einfache Leben der Menschen beeinflussten, wie z. B. Götter des Flusses, der Familie, der Geburt, des Todes, der Weisheit usw. Die Menschen verehrten
zahlreiche Götter und Göttinnen, die sie als Statuen in den Nischen ihrer Häuser aufbewahrten. Manche Götter wurden nur in bestimmten Gegenden verehrt, während andere im gesamten Land angebetet wurden. Die Gottheiten hatten verschiedene Gestalten, doch vorrangig wurden sie mit einem bestimmten Tier in Verbindung gebracht, dessen Eigenschaften wie Schnelligkeit oder Stärke sie verkörperten. Diese Götter wurden oft mit einem menschlichen Körper und dem Kopf des jeweiligen Tieres dargestellt.
Dem bekanntesten Schöpfungsmythos zu folge war Amun der erste Gott. Er stieg auf einen Hügel, der sich aus den Wassern des Chaos erhob und schuf einen Sohn Schu (die Luft) und eine Tochter Tefnut (die Feuchtigkeit). Diese vereinigten sich und
schufen Geb (die Erde) und Nut (der Himmel).
Hier siehst du die wichtigsten Götter und Göttinnen - eine kleine Auswahl - die im alten Ägypten verehrt wurden:
Anubis - der schakalköpfige Gott der Toten und der Mumifizierung; Bastet - die Katzengöttin, die in späterer Zeit mit dem Mond verglichen wurde; Chnum - der widderköpfige Schöpfergott, Spender der Nil-Flut; Hathor - die Himmelsgöttin, die manchmal in Kuhgestalt verehrt wurde; Horus - der falkenköpfige Gott, der vom Pharao verkörpert wurde; Isis - die Geburtsgöttin, Frau von Osiris und Mutter von Horus; Maat - die Göttin der Wahrheit, Gerechtigkeit und Weltordnung; Mut - die Geiergöttin, die als göttliche Mutter des herrschenden Pharao galt; Nephthys - Schwester der Isis, die die Toten beschützt; Osiris - Gott der Toten, der Unterwelt und der Auferstehung; Ptah - der Schöpfergott von Memphis; Re - der falkenköpfige Sonnengott; Sachmet - die löwenköpfige Göttin, deren Feueratem die heißen Wüstenwinde waren; Sobek - der Krokodilgott, aus dessen Schweiß der Nil entstand; Thoeris - die Geburtsgöttin, der Name bedeutet "Die Große", sie erschien in der Gestalt eines trächtigen Nilpferds und galt als Beschützerin der Frauen bei der Geburt und war darum oft an Betten und Kopfstützen abgebildet; Thot - der Ibis- oder Pavian-Köpfige, der Gott
der Weisheit und Schreibkunst.
Viele Götter wurden nur in bestimmten Dörfern, Städten oder Regionen verehrt. Wenn jemand in den Bezirken eines bestimmten Gottes an die Macht kam, dann blieb er vielmals diesem Gott treu und machte diese ebenfalls mächtig. Beispiele hierfür sind z. B. Bubastis - die Göttin Bastet hatte hier ihren eigenen Tempel. Jeder der 42 Gaue (Verwaltungsbezirke) hatte eine eigene regionale Gottheit.
Der "Heilige Stier" (Apis) wurde in einem Gehege in Memphis gehalten und galt als Inkarnation des Schöpfergottes Ptah. Er wies bestimmte Merkmale (Kennzeichen) auf dem Fell auf. Starb der Stier, so wurde er mumifiziert und mit großem Prunk bestattet. Danach wurde ein anderer Stier gesucht, der die gleichen Merkmale hatte. Die Menschen glaubten, wenn der Apis
stirbt, wird er in einem anderen Stier wiedergeboren.
Ich möchte dich gern an dieser Stelle mit dem ältesten Mythos des alten Ägypten Bekannt machen - dem Mythos von Isis und Osiris (zu finden unter "Mythen und Flüche aus alter Zeit").
Viele Menschen glaubten an Zauberei. Amulette und Zaubersprüche sollten sie schützen.
Der Gott Bes spielte seit dem Mittleren Reich eine wichtige Rolle und wurde weiterhin verehrt, auch nachdem die Perser vertrieben waren. Die Katzengöttin Bastet war seit über 2000 Jahren bekannt und wurde in der Spätzeit als Familiengöttin verehrt und mit jungen Katzen zu ihren Füßen dargestellt. Weitere Verehrungen galten auch dem Stier Apis.
In der Spätzeit konnten die Menschen größten Teils ihre Traditionen und Rituale weiterführen, da die Besetzer die Menschen nicht hindern konnten, die alten Traditionen weiter zu führen.